Marmeladen-Yoga: wenn Marmeladenkochen zur Meditation wird

Marmeladen-Yoga: Wenn Marmeladekochen zur Meditation wird

Marmelade kochen gehört für viele zum Sommer wie reife Früchte und sonnige Tage. Für mich ist es jedoch mehr als nur das Haltbarmachen von Obst. Es ist eine kleine Auszeit vom Alltag, ein Moment der Ruhe und Entschleunigung. Oder, wie unsere Gäste Maren und Lars es einmal treffend nannten: Marmeladen-Yoga.


Mein Marmeladen-Grundrezept

Über die Jahre habe ich für mich eine einfache und zuverlässige Methode gefunden.

Zutaten

  • 2 Liter Früchte oder Fruchtsaft
  • 2 kg Haushaltszucker
  • 3 Päckchen Gelierfix 1:1

Zunächst vermische ich etwa 100 g Zucker mit den drei Päckchen Gelierfix.

Diese Mischung kommt zu den vorbereiteten Früchten oder dem Saft und wird unter Rühren aufgekocht. Anschließend lasse ich alles etwa zwei bis drei Minuten köcheln.

Danach kommt der restliche Zucker hinzu. Nun wird der Sud erneut aufgekocht und etwa drei Minuten sprudelnd gekocht.

Dabei gilt für mich eine wichtige Regel:

Die Marmelade niemals aus den Augen lassen.

Gerade in dieser Phase steigt die Masse oft schnell im Topf hoch. Deshalb bin ich immer bereit, den Topf notfalls kurz von der Herdplatte zu ziehen oder beiseitezuschieben, damit nichts überkocht.


Die wichtigste Phase beginnt erst nach dem Kochen

Wenn die Kochzeit beendet ist, schalte ich die Herdplatte aus.

Nun darf sich der Sud beruhigen.

Viele Rezepte empfehlen jetzt, den entstandenen Schaum abzuschöpfen. Dieser Schaum bildet häufig einen festen, hellen Flaum, der anschließend entsorgt wird.

Ich gehe einen anderen Weg.

Statt sofort die Gläser zu füllen, nehme ich mir einige Minuten Zeit. Ich rühre die Marmelade langsam und gleichmäßig um.

Nicht hektisch.

Nicht ständig.

Einfach ruhig.

Dabei beobachte ich, wie sich die Luftblasen auflösen und der Schaum nach und nach zusammenfällt. So entsteht der feste Schaum erst gar nicht oder deutlich weniger stark.

Die Oberfläche wird glatter, die Marmelade ruhiger und es muss kaum noch etwas abgeschöpft werden.

Erst dann fülle ich die Marmelade in die vorbereiteten Gläser.


Marmeladen-Yoga

Genau diese Minuten sind für mich etwas ganz Besonderes.

Als ich unseren Gästen Maren und Lars einmal von dieser Angewohnheit erzählte, fanden sie spontan einen Namen dafür:

Marmeladen-Yoga

Wir mussten damals alle lachen. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto treffender finde ich diese Bezeichnung.

Man steht am Herd.

Der Duft der Früchte erfüllt die Küche.

Man beobachtet die Oberfläche, rührt langsam um und konzentriert sich auf eine einzige Tätigkeit.

Keine E-Mails.

Keine Nachrichten.

Keine Termine.

Nur Marmelade.

In unserer hektischen Zeit empfinde ich diese wenigen Minuten als eine kleine Meditation. Die Marmelade gibt das Tempo vor. Man kann nichts beschleunigen. Man kann nur beobachten, warten und ruhig umrühren.

Vielleicht ist genau das das Geheimnis.

Am Ende entstehen nicht nur einige Gläser selbstgemachter Marmelade. Es bleibt auch das gute Gefühl, für einen Moment aus dem Tempo des Alltags ausgestiegen zu sein.

Und manchmal glaube ich, dass dabei nicht nur die Marmelade zur Ruhe kommt.

Sondern auch der Marmeladenkoch.

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