Hildegard von Bingen und der Galgant

Hildegard von Bingen und der Galgant

Der Galgant zählt zu den spannendsten Gewürzen in der Lehre Hildegard von Bingens. Die Pflanze stammt ursprünglich aus den tropischen Regionen Südostasiens und gelangte über arabische Gewürzhändler in getrockneter Form nach Europa. Lange Zeit wurde die genaue Herkunft geheim gehalten, da der Handel streng kontrolliert und äußerst lukrativ war.

Bereits im 9. Jahrhundert – und besonders zur Zeit Hildegard von Bingens – galt Galgant als exklusives und kostbares Gewürz. Er wurde sowohl in der Küche als auch in der traditionellen Pflanzenkunde sehr geschätzt. Mit der Zeit rückte er jedoch immer weiter in den Hintergrund, vor allem als Pfeffer erschwinglicher wurde. So verschwand Galgant nach und nach aus vielen heimischen Gewürzregalen – zu Unrecht, wie wir finden.

Galgant oder Ingwer – wo liegt der Unterschied?

Ingwer und Galgant sind botanisch miteinander verwandt. Beide bilden unterirdische Rhizome, in denen sie Nährstoffe speichern. Auch geschmacklich ähneln sie sich, doch jede Wurzel hat ihren ganz eigenen Charakter.

Frischer Galgant besitzt – ähnlich wie Ingwer – eine angenehme Schärfe, wirkt jedoch insgesamt milder. Sein Aroma ist zitroniger, leicht süßlich-bitter und feiner. Ingwer dagegen schmeckt oft kräftiger, pfeffriger und erdiger.

Optisch ist Galgant meist heller und glatter, das Fruchtfleisch wirkt dichter. Ingwer ist dagegen knotiger, faseriger und roh häufig etwas zäher.

Galgantwurzel

Galgant bei Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen bezeichnete Galgant als „Gewürz des Lebens“ und schrieb ihm eine besondere Bedeutung zu. In ihren Schriften beschreibt sie ihn als wärmende „Kraftwurzel“, die den Menschen innerlich stärken könne. Besonders im Zusammenhang mit Herz und Kreislauf spielte Galgant in ihrer Lehre eine zentrale Rolle.

Auch als Gewürz empfahl Hildegard Galgant traditionell zur Unterstützung der Verdauung und als Alternative zu Pfeffer – nicht nur wegen seiner Schärfe, sondern weil er Speisen eine besondere Tiefe und Wärme verleiht.

Diese Überlieferungen stammen aus der historischen Hildegard-Lehre und zeigen, wie stark Gewürze damals als Teil einer bewussten Ernährung verstanden wurden.

Galgant in unserer Küche

Ich nutze Galgant pulverisiert sehr gerne beim Würzen von deftigen Gerichten – zum Beispiel für Suppen, Gulasch, Eintöpfe oder Wildgerichte. Gerade bei kräftigen Speisen sorgt er für eine feine Wärme und eine würzige, leicht zitronige Schärfe, die den Geschmack wunderbar abrundet.

Unsere Gewürzmischung mit Galgant

Aus dieser Inspiration heraus habe ich auch eine eigene Gewürzmischung zusammengestellt, die ich unter anderem beim Brotbacken verwende. Sie besteht aus:

Bertram, Galgant, Griechenklee, Senfsaat und Salz.

Eine Mischung, die herzhaft, aromatisch und ausgewogen ist – und sich vielseitig einsetzen lässt, nicht nur für Brot, sondern auch für herzhafte Speisen oder Gemüsegerichte.

Hier gehts zu unserem Brotgewürz 

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